Sichtbarkeit und Sicherheit – »Pride Month« in Sachsen
Anlässlich des »Pride Month« informiert die Polizei Sachsen über Christopher-Street-Day-Veranstaltungen (CSD), queerfeindliche Hasskriminalität sowie Hilfs- und Unterstützungsangebote für Betroffene.
Der Juni steht weltweit im Zeichen des »Pride Month«. Er erinnert an die Ereignisse rund um das »Stonewall Inn« in der Christopher Street in New York, wo es Ende Juni 1969 nach einer Polizeikontrolle zu mehrtägigen Protesten gegen Diskriminierung und Ausgrenzung kam. Die damaligen Ereignisse gelten als Ausgangspunkt der internationalen LSBTIQ*-Bewegung. Seitdem setzen sich Menschen auf der ganzen Welt mit Christopher-Street-Day-(CSD)- und Pride-Veranstaltungen für Vielfalt, Gleichberechtigung, gesellschaftliche Teilhabe und ein respektvolles Miteinander ein.
Auch in Sachsen finden das ganze Jahr über zahlreiche CSD- und Pride-Veranstaltungen statt. Sie bieten Raum für Begegnung, Sichtbarkeit und Austausch. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass Veranstaltungen mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit auch Ziel von Anfeindungen, Störungen oder Straftaten werden können.
Queerfeindliche Straftaten ernst nehmen
Gerade Großveranstaltungen wie Christopher-Street-Days erfahren eine hohe öffentliche Sichtbarkeit und können dadurch auch Ziel von Störungen, Gegenmobilisierungen oder Straftaten werden. Queerfeindliche Hasskriminalität kann an CSDs viele Formen annehmen. Dazu zählen unter anderem Beleidigungen, Bedrohungen, Körperverletzungen, Nötigungen, Sachbeschädigungen oder volksverhetzende Inhalte.
Die aktuellen Zahlen des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes in Fällen Politisch motivierter Kriminalität zeigen, dass queerfeindliche Straftaten weiterhin ein ernstzunehmendes Problem darstellen. Im Jahr 2025 wurden in Sachsen insgesamt 169 queerfeindlich motivierte Delikte festgestellt. Es ist zudem von einem großen Dunkelfeld auszugehen, da viele Straftaten nicht angezeigt werden.
Anzeige erstatten und Hilfe annehmen
Die Polizei Sachsen appelliert daher ausdrücklich, jede Straftat zur Anzeige zu bringen – auch vermeintlich »kleinere« Vorfälle wie Hasskommentare oder Beleidigungen im Internet. Polizeiliche Maßnahmen können nur ergriffen werden, wenn Straftaten bekannt werden. Jede Anzeige hilft dabei, Täterinnen und Täter zur Verantwortung zu ziehen, weitere Straftaten zu verhindern und Betroffene sichtbar zu unterstützen.
Die Polizei Sachsen steht für die Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und positioniert sich klar gegen jede Form von Gewalt. Grundlage hierfür ist das Leitbild der Polizei Sachsen mit seinem Bekenntnis zu einem respektvollen, toleranten und sicheren Miteinander.
Weitere Informationen zum Leitbild der Polizei Sachsen finden Sie hier
Sicher unterwegs bei CSD- und Pride-Veranstaltungen
Damit alle Menschen Veranstaltungen sicher besuchen können, gibt die Polizei Sachsen folgende Hinweise:
- Besuchen Sie Veranstaltungen möglichst gemeinsam mit Freundinnen, Freunden oder anderen Vertrauenspersonen.
- Informieren Sie sich vorab über die Veranstaltungsroute, Sicherheitsmaßnahmen, Awareness-Angebote und wichtige Notfallkontakte.
- Achten Sie insbesondere an Bahnhöfen, Haltestellen und außerhalb der Veranstaltungsbereiche auf Ihr Umfeld.
- Respektieren Sie die persönlichen Grenzen anderer Menschen, beispielsweise beim Fotografieren oder Filmen.
- Dulden Sie keine Belästigungen, Beleidigungen oder unerwünschten Körperkontakt.
- Verzichten Sie auf übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsum, um aufmerksam und handlungsfähig zu bleiben.
- Teilen Sie Ihren Standort mit Vertrauenspersonen und achten Sie gegenseitig aufeinander.
- Zeigen Sie Zivilcourage und unterstützen Sie Betroffene, wenn dies gefahrlos möglich ist.
- Lassen Sie sich nicht auf Provokationen ein. Suchen Sie Unterstützung bei Ordnerinnen und Ordnern, Awareness-Teams oder der Polizei.
- Wählen Sie bei akuten Gefahrenlagen oder Bedrohungen umgehend den Notruf 110.
- Dokumentieren Sie Vorfälle, soweit dies gefahrlos möglich ist, und notieren Sie sich Ort, Zeit und Personenbeschreibungen.
- Erstatten Sie Straftaten bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache der Polizei Sachsen.
- Holen Sie sich nach einem Vorfall Unterstützung bei Beratungsstellen, Opferhilfen oder LSBTIQ*-Ansprechpersonen der Polizei.
Zentrale Ansprechstelle für LSBTIQ* im Landeskriminalamt Sachsen
Unsere zentrale Ansprechstelle unterstützt Betroffene queerfeindlicher Straftaten sowie deren Angehörige und Vertrauenspersonen. Sie dient als polizeiliche Ansprechpartnerin, informiert über Hilfs- und Beratungsangebote und vermittelt Kontakte zu Opferschutzbeauftragten, Beratungsstellen und queeren Vereinen in Sachsen.
Darüber hinaus trägt die Ansprechstelle dazu bei, das Vertrauen zwischen Polizei und Community zu stärken sowie für die besonderen Herausforderungen und Auswirkungen queerfeindlicher Hasskriminalität zu sensibilisieren.
Weitere Informationen sowie Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier.
Informationen und Unterstützung für Betroffene:
Egal ob auf einer Pride-Veranstaltung oder im Alltag: Wenn Sie von queerfeindlicher Gewalt betroffen sind, müssen Sie diese Erfahrung nicht allein bewältigen.
Opferrechten und Strafverfahren:
Opferrechte – Polizei-Beratung
Ablauf des Strafverfahrens – Polizei-Beratung
Auswahl an Beratungs- und Opferhilfeangebote in Sachsen:
LAG Queeres Netzwerk Sachsen e. V.
Zentrale Ansprechstelle für LSBTIQ* bei der Staatsanwaltschaft Dresden
Zentrale Ansprechstelle für LSBTIQ* bei der Staatsanwaltschaft Leipzig
Zentrale Ansprechstelle für Opfer extremistischer Bedrohungen (ZASTEX)
Zentrale Anlaufstelle für Opfer von Rechtsextremismus und Antisemitismus (ZORA)
Die Polizei Sachsen wünscht allen Teilnehmenden der CSD- und Pride-Veranstaltungen in Sachsen einen friedlichen, respektvollen und sicheren »Pride Month«.