06.07.2026, 12:00 Uhr

Gewalt als Trophäe – Was Eltern über das Com-Netzwerk wissen sollten

© sav an dreas – stock.adobe.com

Freundschaften, Chats, soziale Netzwerke: Nicht jeder Online-Kontakt ist harmlos. Erfahren Sie, was hinter dem Com-Netzwerk steckt und wie Sie Kinder und Jugendliche wirksam schützen können.

Das Internet bietet Kindern und Jugendlichen viele Möglichkeiten der Entfaltung und des sozialen Kontaktes, birgt aber auch einige Risiken. Neben Cybermobbing oder Cybergrooming rückt zunehmend ein weiteres Phänomen in den Fokus der Sicherheitsbehörden: das sogenannte Com-Netzwerk (auch »The Community«).

Internationale Polizeibehörden wie Europol, das FBI und das Bundeskriminalamt warnen vor den Gefahren dieser digitalen Gruppierungen. Umso wichtiger ist es, dass Eltern und Bezugspersonen wissen, worauf sie achten können und wie sie ihre Kinder schützen.

Was ist das Com-Netzwerk?

Beim Com-Netzwerk handelt es sich nicht um eine einzelne Organisation, sondern um lose miteinander verbundene Online-Gruppen. Dort vernetzen sich vor allem junge Menschen, die extreme Gewalt verherrlichen und Straftaten gegenseitig dokumentieren und verbreiten.

Bekannt wurde das Phänomen unter anderem durch den Fall »White Tiger«. Dem mutmaßlichen Täter wird vorgeworfen, Kinder und Jugendliche im Internet manipuliert und zu schweren Straftaten sowie Selbstverletzungen gedrängt zu haben.

Wie geraten Kinder und Jugendliche in solche Gruppen?

Die Kontaktaufnahme erfolgt häufig über soziale Netzwerke, Messenger oder Gaming-Plattformen. Täter suchen gezielt nach jungen Menschen, die sich einsam fühlen oder nach Anerkennung suchen.

Oft beginnt der Kontakt harmlos. Es werden Freundschaften aufgebaut, Verständnis gezeigt oder Komplimente gemacht. Anschließend versuchen die Täter, persönliches Vertrauen aufzubauen und die Betroffenen emotional abhängig zu machen. Daraus entwickeln sich Erpressung, Einschüchterung oder Nötigung. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu gefährlichen oder strafbaren Handlungen zu bewegen und diese anschließend innerhalb der Gruppen zu verbreiten.

Mögliche Warnzeichen

Ein einzelnes Anzeichen bedeutet nicht automatisch, dass ein Kind betroffen ist. Mehrere Veränderungen gleichzeitig sollten jedoch aufmerksam machen.

Achten Sie beispielsweise darauf, wenn Ihr Kind:

  • sich zunehmend zurückzieht oder ungewöhnlich nervös wirkt,
  • deutlich mehr Zeit unbeaufsichtigt im Internet verbringt,
  • plötzlich intensive Online-Freundschaften entwickelt oder Angst vor bestimmten Kontakten zeigt,
  • verschlüsselte Messenger oder unbekannte Plattformen nutzt,
  • Interesse an extremer Gewalt oder radikalen Inhalten entwickelt,
  • anonym Geschenke oder digitale Guthaben erhält,
  • Anzeichen von Selbstverletzungen zeigt.

So können Sie Ihr Kind schützen

Der wichtigste Schutz ist eine vertrauensvolle Begleitung der Mediennutzung.

Die Polizei Sachsen empfiehlt:

  • Interessieren Sie sich für die Online-Welt Ihres Kindes.
  • Sprechen Sie regelmäßig über Erlebnisse im Internet – ohne Vorwürfe oder Verbote.
  • Vereinbaren Sie klare Regeln für die Mediennutzung.
  • Erklären Sie, dass hinter Online-Profilen nicht immer die Person steckt, die sie vorgibt zu sein.
  • Machen Sie deutlich, dass persönliche Daten, Bilder oder Videos niemals leichtfertig weitergegeben werden sollten.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind, sich jederzeit an Sie oder eine andere Vertrauensperson zu wenden, wenn ihm etwas Angst macht oder merkwürdig erscheint.

Tipps für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche können selbst viel zu ihrer Sicherheit beitragen:

  • Teile möglichst wenige persönliche Informationen.
  • Nimm nur Kontaktanfragen von Menschen an, die du wirklich kennst.
  • Nutze starke Passwörter.
  • Leite keine Gewaltvideos oder intime Bilder weiter.
  • Blockiere und melde Personen, die dich bedrängen oder unter Druck setzen.
  • Sprich mit einer erwachsenen Vertrauensperson, wenn dir etwas komisch vorkommt.

Was tun im Ernstfall?

Wenn Ihr Kind im Internet bedroht, erpresst oder zu Handlungen gedrängt wird:

  • Bewahren Sie Ruhe und sprechen Sie mit Ihrem Kind.
  • Sichern Sie Beweise, beispielsweise Chatverläufe oder Screenshots.
  • Melden Sie die Inhalte bei der jeweiligen Plattform.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
  • Nutzen Sie professionelle Beratungsangebote.

Gemeinsam hinschauen

Kinder und Jugendliche bewegen sich heute selbstverständlich in digitalen Räumen. Deshalb ist es wichtig, sie auch dort zu begleiten. Offene Gespräche, Interesse an ihrer Online-Welt und ein vertrauensvoller Umgang helfen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und Kinder vor gefährlichen Netzwerken wie dem Com-Netzwerk zu schützen.

Hilfe und Beratung

Wenn Ihr Kind betroffen ist oder Sie Unterstützung benötigen, finden Sie Hilfe unter:

Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch
JUUUPORT (Ansprechstelle für Probleme im Netz)
Internet-Beschwerdestelle (zum Melden von Darstellungen)
Take It Down (gegen Verbreitung intimer Aufnahmen)
Mediennutzungsvertrag (für Regeln im Internet)
Medien-kindersicher (Online-Aktivität regulieren)

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