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Sprengstoffexperten aus Deutschland zum Lehrgang in Sachsen

Explosion auf der Wiese
(© Polizei Sachsen, LKA)

Anfang November wurde eine große Wiese in Freiberg zum Schauplatz für Explosionen. Diese waren allerdings geplant. Sprengstoffermittler und -entschärfer aus ganz Deutschland waren für eine Übung nach Sachsen gekommen.
Explosion während des Seminars
(© Polizei Sachsen, LKA)

Einmal im Jahr kommen in Sachsen Entschärfer von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV) und Sprengstoffermittler zusammen, um sich fachlich fortzubilden. Deutschlandweit werden all diese Spezialisten durch das Bundeskriminalamt (BKA) ausgebildet. Aus Kapazitätsgründen sind viele dieser sogenannten Fortbildungsmodule aber ausgelagert und werden dezentral in den einzelnen Bundesländern angeboten.

So kommt es, dass das Spezialmodul »Pyrotechnik« einmal im Jahr von der Polizei Sachsen durchgeführt wird. »Normalerweise nehmen jeweils rund 25 Bedienstete daran teil«, so Lehrgangsleiter Kriminalhauptkommissar Axel Brehm. »Coronabedingt konnten wir in diesem Jahr aber nur 17 Kolleginnen und Kollegen der Polizeien der Länder, des BKA und der Bundespolizei eine Teilnahme ermöglichen.«

 

»Sehen, fühlen und damit arbeiten …«

Ziel für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es, das bereits in den Grundlehrgängen erworbene Fachwissen zu vertiefen. Dabei ging es besonders um den Aufbau pyrotechnischer Gegenstände, deren Funktion und Wirkung, aber auch die rechtliche Bewertung. Dabei wurde die Polizei auch von externen Spezialisten unterstützt. Zum Beispiel führte das Ordnungsamt Dresden aus, was alles benötigt wird, bis solch ein Feuerwerk genehmigt werden kann. Ein Vertreter der TU Freiberg gab Informationen zur chemischen Zusammensetzung pyrotechnischer Sätze. Spannend auch der Einblick einer Firma, welche Pyrotechnik für Fahrzeuge herstellt, beispielsweise für Airbags. In den blitzschnellen Lebensrettern entzünden sich im Falle eines Unfalls kleine Explosivstofftabletten, deren Verbrennungsgase den Airbag in Bruchteilen einer Sekunde aufblasen.

Im praktischen Teil wurde das Gelernte dann direkt angewendet und Pyrotechnik gezündet. Laut Axel Brehm stelle dieser Fortbildungsbestandteil erfahrungsgemäß den Höhepunkt des Lehrgangs dar. Aber er sei auch besonders wichtig, denn nur dann würden die Kolleginnen und Kollegen ein Verständnis für pyrotechnische Gegenstände entwickeln. »Fühlen, sehen und damit arbeiten, schafft die nötige Sensibilität für diese Materialien«, so Brehm.


Während der Stationsarbeit
Umsetzung von Rauchsignalen
Lehrgangsleiter Brehm
Pyrotechniker Karsten Schneider
Darstellung der Gefährlichkeit
Pyrotechnische Spezialeffekte

Zusatzqualifikation bestanden

Das BKA-Spezialmodul »Pyrotechnik« endete für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer »Leistungsfeststellung«. Der Lehrgang in Sachsen ist ein Aufbauseminar. Alle, die daran teilgenommen haben, sind also schon ausgebildete Sprengstoffermittler oder -entschärfer und können ihr Wissen bei solchen Seminaren vertiefen. Außerdem werden Wissen und Tauglichkeit der Experten in regelmäßigen Abständen überprüft.

Vom Streifendienst zur Sprengstoffermittlung – alles ist möglich

»Sächsische Polizistinnen und Polizisten können sich intern auch auf Stellen in der USBV-Gruppe im Landeskriminalamt bewerben«, erklärt Kriminalhauptkommissar Axel Brehm, »wenn dieses Arbeitsfeld für sie spannend ist.« Nach dem bestandenen Eignungstest folgen eine Vielzahl von Lehrgängen unter Leitung des BKA. Die gesamte Ausbildung dauert in der Regel ein bis zwei Jahre. Während dieser Zeit wird den Kolleginnen und Kollegen unter anderem fundiertes Wissen über gewerbliche, militärische und selbst hergestellte Explosivstoffe vermittelt.

Einsatzgebiete: Herrenlose Koffer und mehr

Nach bestandener Prüfung gehören sie zu einem Spezialisten-Team. Die USBV-Gruppe kann von örtlichen Polizeieinheiten rund um die Uhr zur Unterstützung angefordert werden. Zum Beispiel dann, wenn die Kolleginnen und Kollegen vor Ort nicht genau feststellen können, ob die vorgefundenen Substanzen oder Gegenstände gefährlich beziehungsweise unbedenklich sind. Zu den gängigen Einsätzen dieser Spezialisten gehören unter anderem das Prüfen herrenloser Gepäckstücke, aber auch die Untersuchung von Briefen und Päckchen, in denen beispielsweise Drähte oder ähnliches zu spüren sind. Auch wenn größere Mengen nicht geprüfter Feuerwerkskörper gefunden werden, kommen die ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen zum Einsatz.