Polizei Sachsen - Landeskriminalamt Sachsen - Polizeiliche Tipps zum ''mobilen Urlaub''
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Polizeiliche Tipps zum ''mobilen Urlaub''

Campingurlaub
(© pixabay)

Ob mittels Wohnmobil oder Wohnwagenanhänger: Das Interesse mit der eigenen Unterkunft unterwegs zu sein und somit den Weg zum Ziel zu machen, nicht nur an einem Ort zu verharren sondern flexibel Land und Leute zu erkunden, wird immer größer.
Die Anzahl der Wohnmobile hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Wenn auch Sie sich mit dem Gedanken tragen, Ihren Urlaub auf diese Art zu verbringen, haben wir hier einige Tipps für Sie zusammengestellt.
 
Fahrerlaubnis:
Grundsätzlich ist die benötigte Fahrerlaubnis für ein Wohnmobil vom zulässigen Gesamtgewicht abhängig.
 
Ältere Fahrzeugführer (Führerscheinerwerb vor 1999, also vor der Führerscheinreform/Zweite EG-Führerscheinrichtlinie) können mit der Klasse 3 Fahrzeuge/Wohnmobile mit einem zulässigem Gesamtgewicht bis zu 7,5 t sowie Anhängergespanne (mit max. 3 Achsen) bis zu 12 t führen.
 
Fahrzeugführer, die nach 1999 den Führschein der Klasse B abgelegt haben, dürfen Fahrzeuge nur bis 3,5 t zulässiger Gesamtmasse (zGM) sowie einen einachsigen Anhänger von max. 750 kg führen. Bei einem schwereren Anhänger darf die Fahrzeugkombination 3,5 t zGM nicht übersteigen. Bei Eintragung der Schlüsselzahl 96 zur Klasse B (eintägige Fahrerschulung) darf die zulässige Gesamtmasse der Fahrzeugkombination max. 4 250 kg betragen.
 
Möchten die Campingfans Reisemobile von mehr als 3,5 t zulässiger Gesamt-masse führen, ist der Führschein der Klasse C1 erforderlich, welcher das Führen von Fahrzeugen bis 7,5 t zGM inkl. Anhänger von max. 750 kg gestattet. Die Klasse C1E gestattet das Führen von Fahrzeugkombinationen  (Zugfahrzeug bis 7,5 t und Anhänger) mit einer zulässigen Gesamtmasse von nicht mehr als 12 t.
 
Verkehrsregeln:
Fahrzeugkombinationen über 3,5 t zGM (Reisemobile etc.) müssen sich an die LKW-Verkehrszeichen halten. So gilt beispielsweise für diese Fahrzeuge das LKW-Überholverbot. Auch alle weiteren Verkehrszeichen mit LKW-Abbildung gelten für Wohnmobile über 3,5 t zGM (z. B. Verbot der Einfahrt, Abstand etc.).
 
 
Die Geschwindigkeit innerorts ist für alle Kraftfahrzeuge grundsätzlich auf 50 km/h begrenzt, sofern Verkehrszeichen nichts anderes vorschreiben.
Außerhalb von Ortschaften dürfen Wohnmobile über 3,5 bis 7,5 t nur 80 km/h und auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen nur 100 km/h fahren. Besonders
schwere Wohnmobile bzw. Gespanne über 7,5 t dürfen außerorts nur 60 km/h und auf Autobahnen nur 80 km/h fahren.
 
Besondere Beachtung gilt bei der Fahrt mit Anhängern. Für Gespanne bis 3,5 t (PKW-Caravan-Kombinationen) gilt außerorts Tempo 80 km/h. Ausnahmen gelten für Gespanne, welche die Vorgaben der Tempo-100-Regelung (Eintragung in Fahrzeugpapieren des Anhängers bzw. nachträgliche Abnahme durch Sachverständigen, gesiegelte 100-km/h Plakette von Straßenverkehrsbehörde an Rückseite des Anhängers) erfüllen. Diese dürfen auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen 100 km/h fahren.
 
Zu beachten gilt ferner das Parken auf dem Bürgersteig/Seitenstreifen. Dies ist nur für Fahrzeuge erlaubt, welche nicht schwerer als 2,8 t wiegen. Des Weiteren dürfen Wohnmobile mit Saisonkennzeichen außerhalb der auf den Kennzeichen angegebenen Nutzungszeiten nicht auf öffentlichen Straßen bewegt oder abgestellt (geparkt) werden. Im Übrigen ist das Halten und Parken von Wohnwagengespannen und Wohnmobilen in Deutschland überall dort gestattet, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Dies umfasst auch das einmalige Zwischenübernachten im Wohnwagen. Jedoch verbietet § 12 Abs. 3 b StVO das Parken von Anhängern ohne Zugfahrzeug von mehr als zwei Wochen am Straßenrand oder öffentlichen Parkplätzen, es sei denn die Parkplätze sind entsprechend gekennzeichnet.
 
Ist der Wohnwagen breiter als das Zugfahrzeug, werden Zusatzspiegel benötigt und
Umweltzonen gelten auch für Wohnmobile.
 
Verkehrssicherheit:
Für eine optimale Fahrstabilität ist die richtige Einstellung der Stützlast (die Kraft, mit der die Anhängerdeichsel auf die Kupplungskugel drückt) bei Gespannen von besonderer Bedeutung.
 
Die über das Gespann nach hinten hinausragende Ladung muss gekennzeichnet werden.
 
Um ein Ablösen der Lauffläche des Reifen und einen übermäßigen Verschleiß aufgrund zu geringen Luftdrucks zu verhindern, ist eine regelmäßige Kontrolle des Luftdruckes im kalten Zustand sowie die Kontrolle der gesetzlich vorgeschriebenen Profiltiefe (1,6 mm) Voraussetzung. Der ordnungsgemäße Zustand der Reifen ist für die Fahrzeugsicherheit nicht nur bei Wohnmobilen Grundvoraussetzung, da hierdurch die Fahrzeugstabilität gewährleistet wird (Lenk- und Seitenführungskräfte). Daneben sollten auch die Stoßdämpfer regelmäßig überprüft werden, welche bei Verschleiß ebenfalls zur Verschlechterung der Straßenlage beitragen.
 
Neben modernen Fahrwerken ist auch das Einhalten der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit (insbesondere bei schlechten Wetter- und Windverhältnissen) Grundvoraussetzung für einen sicheren und stabilen Geradeauslauf. Bei nicht durch die sog. Schlingerdämpfung abklingendem Pendeln, infolge von Seitenwinden oder Ausweich-manövern, hilft nur ein kräftiges Abbremsen des Gespannes.
 
Neben der Beachtung von Seitenwinden sollte auch die richtige Beladung von Wohnmobilen für eine gute Straßenlage beachtet werden (schwere Gegenstände nach unten, gleichmäßige Verteilung der Lasten, um Schwerpunkt möglichst tief zu halten, Antriebsachse kann etwas mehr beladen werden). Bei der Befüllung der Wassertanks sollte die maximal zulässige Zuladung beachtete werden, um die zulässige Gesamtmasse nicht zu überschreiten (insbesondere bei dem Transport von viel Gepäck und mehreren Personen).
 
Schutz vor Diebstahl/Einbruch:
In den Jahren 2016 und 2017 gab es 26 Komplettentwendungen und 401 Diebstähle an/aus Wohnwagen und Wohnmobilen. Recherchiert wurde im Polizeilichen Auskunftssystem Sachsen (PASS) nach Diebstählen, bei denen als angegriffenes Objekt „Wohnmobil“ bzw. „Wohnwagen“ erfasst waren.
 
Diese gliedern sich wie folgt auf die Jahre:

Statistische Angaben

Grundsätzlich stellen sämtliche Türen und (ausklappbaren) Fenster sowie Klappen zu Serviceanschlüssen an Wohnmobilen/Wohnwagen (insbesondere auch Tankverschlüsse) Schwachstellen dar. Nicht zu vergessen sind die Dachluken, die i. d. R. über eine Leiter am Heck des Fahrzeuges leicht zu erreichen sind.
 
Das Risiko eines Fahrzeugdiebstahls oder-einbruchs kann jedoch deutlich durch mechanische und elektronische Sicherungsmaßnahmen reduziert werden.
 
Die mechanische Sicherung kann gewährleistet werden durch „Lenkradkrallen“, „Parkkrallen“, Gangschaltungssperren, Deichselsicherungen bei Wohnwagen und Zusatzschlösser bzw. -riegel, die das Aufhebeln der Türen und Fenster verhindern. Auch ein Aufstiegsschutz an der Leiter am Heck kann gute Dienste leisten. Nicht zuletzt sollte an die Sicherung transportierter Fahrräder oder Motorräder gedacht werden.
 
Als elektronische Sicherung sind insbesondere Diebstahlalarmanlagen (optisch, z. B. mit Außenleuchte und akustisch) zu nennen. Bei einer so genannten Kontaktüberwachung schlägt die Alarmanlage beispielsweise an, wenn an Schlössern, Türen und Fenstern des Fahrzeuges manipuliert wird.
Zur Sicherung von Wertgegenständen kann im Wohnmobil ein Werttresor (fest im Fahrzeug verankert) genutzt werden.
 
Letztendlich spielt auch das eigene, umsichtige Verhalten eine wesentliche Rolle. Dazu gehört u. a., darauf zu achten, dass bei Verlassen des Fahrzeuges alle Fenster (einschließlich  Dachluken) und Türen verschlossen sind.
Die Wahl des Schlafplatzes ist ebenfalls von Bedeutung. Offizielle Campingplätze bieten immer einen größeren Schutz, als Autobahnrast- und -parkplätze.
 
Generell gilt, Wertsachen niemals offen im Fahrzeug liegen zu lassen.
 
Bei verdächtigen Wahrnehmungen soll immer die Polizei gerufen werden. Es ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass man sein Wohnmobil oder den Wohnwagen nicht mit  Gewalt  (ggf. sogar unter Benutzung von Reizstoffsprühgeräten u. a.) verteidigen sollte. Mit „Heldentaten“ gefährdet und schadet man sich und andere unter Umständen selbst.